Mittwoch, 1. Februar 2012

as ist für Amitiel :) Es ist ganz merkwürdig, dass ich diese Zeilen vor gefühlt zehn Jahren das letzte Mal gelesen habe und sie mir am Wochenende plötzlich wieder mit einer Wucht in die Hirnwindungen schossen, dass ich mich erst einmal hinsetzen musste.



Hyperion an Diotima 
Nicht wahr, die heiligern Akkorde hören darum denn doch nicht auf? Nicht wahr, Diotima, wenn auch der Liebe sanftes Mondlicht untergeht, die höhern Sterne ihres Himmels leuchten noch immer?  
~ 
Fromme Seele! Ich möchte sagen, denke meiner, wenn du an mein Grab kömst. Aber sie werden mich wohl in die Meersfluth werfen, und ich seh' es gerne, wenn der Rest von mir da untersinkt, wo die Quellen all' und die Ströme, die ich liebte, sich versammeln, und wo die Wetterwolke aufsteigt, und die Berge tränkt und die Thale, die ich liebte. Und wir? O Diotima! Diotima! Wann sehn wir uns wieder? Es ist unmöglich, und mein innerstes Leben empört sich, wenn ich denken will, als verlören wir uns. Ich würde Jahrtausende lang die Sterne durchwandern, in alle Formen mich kleiden, in alle Sprachen des Lebens, um dir einmal wieder zu begegnen. Aber ich denke, was sich gleich ist, findet sich bald. Große Seele! Du wirst dich finden können in diesen Abschied und so lass mich wandern. 
Lebe wohl. 
~

 Friedrich Hölderlin, Hyperion

1799 

Freitag, 27. Januar 2012

achdem in München ja eigentlich eher die Thalkirchner Brücke für ihren Zusatzbehang bekannt ist, habe ich letztens auch im Englischen Garten an einer der vielen wunderschönen kleinen Brücken mit schmiedeeisernem Geländer Liebesschlösser gefunden. Eigentlich ein entzückender Brauch (der natürlich aus Italien kommt, jüngeren Datums ist und durch einen Film europaweit bekannt wurde); dessen Prozedere vorsieht, dass ein frischvermähltes Paar ein graviertes Schloß zum Zeichen ewiger Liebe an das Geländer einer Brücke schließt und den dazugehörigen Schlüssel in das Wasser (in diesem Fall des Schwabinger Bachs) wirft. Stellt sich nur die Frage, was dann alle Beteiligten machen, wenn's mal doch nicht zusammen klappen sollte. Kommt dann einer mit dem Bolzenschneider zurück oder sucht am Bachgrund nach dem vermaledeiten Schlüssel?
Eine Kommilitonin, mit der ich schon seit der Oberstufe befreundet bin, heiratet diesen Sommer und initiiert damit den nächste Entwicklungsschritt in unserem gemeinsamen studentischen Bekanntenkreis, den vom schrecklich unvernünftigen Twen hin zum ach so vernünftigen, für eine Familie Verantwortung tragenden Erwachsenen. Jetzt beginnt die Zeit der Hochzeiten (und der Frage, wen es als nächsten erwischt) und abgeänderten Nachnamen im Adressbuch; ich glaube, Filme zu dieser Thematik bilden mittlerweile ein eigenes Subgenre. Das ist schrecklich, wenn man die Dramaturgie von Büchern, Filmen und Dramen kennt, alle Vorgänge des eigenen Lebens kommen einem so dermaßen vorhersehbar oder zumindest bekannt vor. :-D Denn was geschah im folgenden: Die Kommilitonin frug nach passenden Ausschnitten literarischer Werke und schönen Hochzeitsbräuchen, woraufhin ich heute nochmal die Brücke mit den Liebesschlössern suchte, um ihr das als Ort für die Hochzeitsfotos und vielleicht einem eigenen Schloß vorzuschlagen, in Gedanken etwas verbittert und wehmütig bei dem jüngst Verflossenen und der Frage, ob man sich das antun soll, als Single allein auf eine Hochzeit zu gehen. An der Brücke angekommen traf ich - genau, einen vor Jahren zum letzten Mal gesehenen Schulkollegen (exakt, er hat sich just von seiner Freundin getrennt), mit dem ich mich dann fast eine halbe Stunde überaus nett im Januarfrost unterhielt, wobei sich herausstellte, dass er auch auf die Hochzeit eingeladen worden sei und mich schließlich für nächste Woche auf einen Kaffee einlud. Herrlich, nicht? Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, zwischen den winterkahlen Buchen nach einem Typen mit Pappbecher und Hornbrille Ausschau zu halten, der da offensichtlich gerade das Drehbuch für diesen Tag schrieb, und ihm zuzurufen, dass er gefälligst etwas sparsamer mit den Klischees sein solle. Eigentlich sollte ich nicht so zynisch sein, sondern dankbar für diesen so freundlich dargebotenen Wink des Schicksals. Tja, und jetzt ratet einmal, was in meiner Jahreskreislegung von Silvester auf dem Februarplatz lag: Vier Kelche. Danke, hab verstanden. :-D



Mittwoch, 28. Dezember 2011

nd schon wieder ein Monat vergangen. Ein Blogeintrag vor Silvester muss schon noch sein, um dass alte Jahr vollends ausklingen zu lassen. Ich habe gerade Ferien, bin daheim und tue all die Dinge, die in den letzten arbeitsintensiven Monaten liegen geblieben sind, etwa den Kaffeevollautomaten, der seit August ein entsprechendes Zeichen vorwurfsvoll und stumm vor sich hinblicken lässt, zu entkalken, oder meine Tasche, die ich immer viel zu voll und viel zu schwer bepacke, zu reparieren (das arme Ding). Die Rückkehr nach Hause war wie die Heimkehr in den vertrauten Hafen nach langer, hochinteressanter, aber auch anstrengender und einsamer Reise. Dabei muss ich mich für meine Weicheierei echt schämen, schließlich wohne ich nur 100 km von daheim entfernt und hätte mit etwas Zeit und dem nötigen Budget für die Halsabschneider von der Deutschen Bahn theoretisch jeden Abend hinfahren können. Weil das Geld nicht gereicht hat (von den 20 € für's Ticket kann ich zweimal ins Theater oder eine Woche in der Mensa essen wie eine Königin) und mich natürlich die Theaterarbeit auch außerhalb der Probenzeiten auf Trab gehalten hat, bin ich zuletzt aber auch an den Wochenenden nicht mehr heimgefahren, weswegen die Rückkehr zu Weihnachten um so schöner war.
Ich gehe viel spazieren. Leider liegt kein Schnee (dabei hatte ich mich so auf Langlaufen hier gefreut), aber die Sonne scheint und steht etwas melancholisch über dem trockenen Schilf, das im Sommer sooo grün und voller Vögel und Frösche war. Eine gute Zeit für Retrospektiven. Ich habe die Notizen zur letzten Jahreskreislegung (die immer in der Silvesternacht gemacht wird) hervorgeholt und mich mal wieder gewundert, wie viel letzten Endes eingetroffen ist. Dies war ein ereignisreiches Jahr voller Erfahrungen, Familienkrisen, die überwunden wurden, eine gewonnene und wieder verlorene Liebe, Befreiungsschläge, ein Raubüberfall, wunderschöne Erinnerungen, von denen ich schon jetzt weiß, dass ich sie auch in 50 Jahren noch hervorholen und lange betrachten werde, an Juniabende auf Dachterassen hoch über den Dächern der Isarvorstadt und Novembernachmittage, an denen man auf dem Fahrrad die weitläufige Hangkurve am Friedensengel hinunterrast, die glitzernde Isar zur Rechten, einer tief zwischen den Buchen stehenden Wintersonne entgegen. Donnerwetter, ich bin schon jetzt reich. :-)
Ich hoffe, ihr hattet alle eine schöne Mittwinter- und Weihnachtszeit und ähnlich positive Gesamtergebnisse bei der Jahresrückschau, und wünsche eine gute Reise durch die zwölf Nächte - wir lesen uns drüben wieder. *winke*

Sonntag, 20. November 2011

äre dieser Blog (heißt es eigentlich der oder das Blog??) ein Ort mit einer Äquivalenz in der Realität, müsste ich jetzt wahrscheinlich den Besen schnappen und das alte Laub rausfegen, dass sich in den Ecken angesammelt hat. Potzblitz, lange nicht mehr hiergewesen. Das bringen die Arbeit und das Studium mit sich, einhergehend mit der Tatsache, dass mein Vermieter mal wieder seine allmonatliche Wlan-Paranoia hat ("Man weiß nicht, was diese Strahlung für gesundheitliche Folgen haben kann!", sagt er immer, meistens während er sich eine Zigarette anzündet) und ich zu zurückhaltend bin, jedes Mal hinunter zu gehen und nach dem Ethernet-Kabel zu fragen. Das hat man nun von seiner guten Erziehung.
In München ist es mittlerweile überwiegend neblig und schrecklich, schrecklich kalt; das merke ich deswegen, weil ich sturerweise (und um Geld zu sparen) die Benutzung der U-Bahn vermeide und lieber mit dem Fahrrad fahre, schön die Leopoldstraße hinunter Richtung Siegestor zur Uni, oder noch weiter bis zum Odeonsplatz, links abbiegend durch den Hofgarten mit dem Dianatempel, vorbei an der Staatskanzlei und der Amerikanischen Botschaft bis zum Friedensengel, und auf der Prinzregentenstraße weiter zum gleichnamigen Theater zur Arbeit. Mir ist aufgefallen, dass, weil die meisten meiner Kommilitonen die U-Bahn benutzen, kaum einer von ihnen eine Vorstellung über die räumlichen Ausdehnungen und Verbindungen zwischen diverser Sehenswürdigkeiten dieser Stadt hat. Eine Fahrt mit der U4 vom Odeonsplatz zum Prinzregentenplatz dauert vielleicht fünf Minuten, mit dem Fahrrad ist man da schon, wenn die Ampeln einem nicht gewogen sind, durchaus 15 Minuten unterwegs, hat dabei aber noch das Haus der Kunst, das Bayerische Nationalmuseum, eine richtig schöne Ecke im Englischen Garten und die Villa Stuck gefunden, mit einem kleinen Schlenker auf die andere Straßenseite auch die Welle unter der Eisbachbrücke, auf der man sogar jetzt noch bis in die Nacht hinein durchgeknallten jungen Männern beim Surfen zuschauen kann. Für viele ist diese Stadt eine lose Sammlung von Knotenpunkten, die durch das Netz der S- und U-Bahn verbunden sind, und kaum einer könnte sagen, wie man zu Fuß vom Marienplatz zum Sendlinger Tor kommt, obwohl die Strecke lachhaft kurz ist (viele glauben, dass die beiden Plätze mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen. Eigentlich sind's nur 700 Meter). Dabei ist es herrlich, sich seine Pfade durch den urbanen Urwald zu suchen, neue Wege zu erkunden, ungewöhnliche und schöne Ecken abseits der allbekannten Touristenmagneten zu entdecken und sich so seinen Lebensraum zu erobern.
Ich glaube, so ein richtiger Großstadtmensch werde ich nie, aber zum Glück ist der Teil Münchens, den ich bewohne, vom auch sehr gestrig gebliebenen Zentrum ganz zu schweigen, nicht sonderlich großstädtisch. Letzte Woche kam ich gegen Mitternacht zurück nach Hause und fand auf der Türschwelle schnaufend und schmatzend einen Igel. Ich habe ihn in Herbstlaub eingepackt in meinen Fahrradkorb geladen und tief in den Englischen Garten (wo er wohl hergekommen war) gefahren. Auf den Wegen war es verblüffend still, am Himmel standen sehr klar die Wintergestirne und ein strahlend heller Halbmond. Ich hielt an, hob die Igelkugel aus dem Korb, stapfte ein bisschen ins Gebüsch unter die kahlen Buchen hinein, setzte das missmutig grunzende Tier ab und erschrak fast zu Tode, als direkt vor mir ein Kaninchen aufsprang und ins Dunkel floh. Füchse und sogar Rehe soll es hier auch geben. Soviel zur Großstadt als Betonwüste.


Mittwoch, 28. September 2011

I'm not afraid of the wolf...


Schöne Musik, schöner Text: herrlich...
Edit vom 20.11.: Ach, immer diese Urheberrechtsverletzungsvideolöschungen. Also, der Song der gemeint war, heißt "The Mouth Of The Wolf" und ist von The Miserable Rich.

Samstag, 24. September 2011

Kleine Eilmeldung

Joah, man redbubbelt jetzt auch. Wer ein bisschen Kruschzeit hat, ist herzlich eingeladen, einmal reinzuschauen. :-) Zur Zeit ist noch nicht so viel drin, aber das wächst sich schon noch aus.

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Donnerstag, 22. September 2011


Alban Elfed Beannaith, schöne Erntdankzeit, gesegnete Mabon und einen herrlich goldenen Herbstanfang!

Ach Gott, und dieser Blog wird heute ein Jahr alt. Wer hätte gedacht, dass ich so lang durchhalte. Hipp hipp hurra!

Smilie by GreenSmilies.com

Donnerstag, 15. September 2011

Im Feengarten

illkommen im Landurlaub. Wenn ich mal etwas so Ausgefallenes wie ein Kleidungsstück oder gar - Gott behüte uns vor den Intellektuellen - ein Buch besorgen will, muss ich folgendes tun: Einen Rucksack nehmen, mit ausreichend Wasser und etwas Proviant bestücken, anschließend das Fahrrad inspizieren, gegebenfalls aufpumpen, und anschließend 17 km entlang der Donau durch teilweise recht urige Aulandschaften in die nächstgelegene Stadt radeln (und dann natürlich nochmal 17 km zurück). Weil ich ein Schussel bin und bei solchen Gelegenheiten ständig etwas vergesse, dass ich eigentlich noch einkaufen wollte, sind so in einer Woche schon mal 100 km Abgestrampeltes zusammengekommen - mit meinen Waden kann man mittlerweile Nägel einhauen. :-D Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass bei so einem Trip natürlich jeder Trampelpfad, der vom Donaudamm abzweigt, inspiziert werden muss. Gestern habe ich so ein kleines Wunder mitten im Sumpfwald entdeckt: Ein, wie die Spuren erzählten, nur gelegentlich von Anglern aufgesuchter Zulauf zur Donau, voller Blumen (was man auf den Fotos nicht so sieht) und schön wie ein Garten.










 Ich hätte den ganzen Tag hier liegen und den Aiteln in der Strömung zusehen können. Einfach herrlich, ganz abgelegen und still.
Falls mir jemand sagen kann, um was für eine Pflanze es sich bei diesen hochwachsenden Blumen handelt, wäre ich sehr dankbar. Die verfolgen mich schon den ganzen Sommer.


Dienstag, 13. September 2011

Und immer, wenn ich so etwas sehe, habe ich das diffuse Gefühl, dass in der Entwicklung des eigenen "tribe" schon vor langer Zeit etwas ganz eklatant schief gelaufen ist...

Donnerstag, 8. September 2011

uch, wenn das jetzt allen den Spaß an der Freude verdirbt, aber heute habe ich am Rand eines Waldes den Herbst vorüberziehen sehen, damit beschäftigt, den Blättern Farbe einzuhauchen. 

Aber was mir auch wieder aufgefallen ist: Je grauer der Himmel, desto grüner das Gras.

Ein gutes Leitmotto, finde ich. :)

Montag, 5. September 2011

Kleines Pamphlet für die Kühlschrankkosmetik







achdem mir keine petrochemotensid - belasteten Drogerieartikel mehr ins Haus kommen und Lush - Produkte zwar toll, aber uferlos teuer sind, bin ich nurmehr unter die seifenverwendenden und selbstrührenden Verbraucher gegangen und muss ganz ehrlich sagen, dass das Ganze super ist: die Sachen des täglichen Badezimmerrituals sind erstens auf lange Sicht gesehen viel günstiger, nach dem Prinzip Trial and Error genau auf meine Bedürfnisse und Vorlieben abgestimmt, haben beruhigend puristische Zutatenlisten mit meist nicht mehr als vier Bestandteilen, die sowieso schon im Kühlschrank stehen oder im Garten wachsen, ja, sie wirken besser als industriell und labortechnisch hergestellte Produkte, können immer frisch angerührt werden, sind bio und tierversuchsfrei, und das tägliche Duschen und Reinigen wird ein Fest der Sinne. Mit Dingen, die ich trotzdem noch einkaufen muss, kann ich direkt Hersteller unterstützen: Naturseife von in kleinen Stückchargen produzierenden Siederinnen aus Deutschland, Öle von Händlern, die lokale Anbauprojekte in strukturschwachen und politisch instabilen Regionen fördern und Achtung vor Natur und Umwelt haben. Ja, wenn man auf Alkohol und Konservierungsmittel verzichtet, hält das Zeug bis auf die Seifen nicht ewig, und die Erstanschaffung der Materialien ist schon teuer, aber die Wirksamkeit und letztendlich das schweinisch gute Gefühl, der allgewaltigen Kosmetikindustrie ein Schnippchen geschlagen zu haben, wiegen das schon auf. Ich glaube, dass unsere Haut von der Natur so konzipiert wurde, dass es absolut nicht notwendig ist, sie mit täglich sechserlei Produkten, deren Incis allesamt so kryptisch sind wie  das Gilgamesch - Epos im Original, mühselig am Leben erhalten zu müssen wie einen Komapatienten, und dass ein Stück Lavendelseife in einer Muschelschale sowohl ästhetisch, ethisch als auch wirkstofftechnisch eine ganz hervorragende Alternative zur obligatorischen Plastikflaschenkolonne im Bad darstellt. Und man muss trotzdem nicht riechen wie ein, öh, Hippie, für den kaltes Wasser und ein Hanffaserlappen das Nonplusultra der Körperpflege darstellen, sondern kann in herrlichen und trotzdem authentischen Düften von Blüten, Gewürzen und Hölzern schwelgen... fantastisch. Das einzig Bedauerliche an der ganzen Sache ist, dass ich nicht viel eher auf diese Idee gekommen bin, statt jahrelang raubkapitalistische Großkonzerne mit meinem Taschengeld zu füttern.

Rosenmilch für's Gesicht: man könnt's auch trinken :-)

Freitag, 2. September 2011

Freitagsfüller...

... stibitzt bei Feona

• Blick nach draußen: Nacht. Hohe Ziegeldächer des Nachbarhauses und viele Sterne, weil es hier nicht soviel Lichtverschmutzung wie in der Stadt gibt.

• Befinden: etwas steif. Hab den ganzen Tag an einer Seminararbeit getippt. Nicht gut, ich weiß.

• Gesundheit: im Gesamten sehr gut. Gerade nur etwas Bauchdrücken, weil dem leckeren Kuchen aus Opas Gartenäpfeln etwas zu sehr zugesprochen.

• Blick in den Spiegel: Grmpf, Pickelattacke

• Essen: Croissant und Milchkaffee zum Frühstück, Käsebrote, (zuviel) Apfelkuchen, angebratene Gartenbohnen mit halber Frikadelle

• Trinken: Kaffee, Wasser, Kräutertee (die Hausmischung)

• Aktueller Song: Italo-Arie mit Ohrwurmpotenzial. Bitte nicht auf die Magenkrampf-Gesichtsausdrücke von Signora Bartoli achten.

• Aktuelles Buch: insgesamt vierzehn Titel Fachliteratur

• Beschäftigung: lesen, schreiben, Muttern beim Putzen helfen

• weitere Vorhaben: Entspannt mit duftender Naturlavendelseife von hier waschen und in der Heia gemütlich weiterlesen.

• Träume/ Wünsche: Dass bald eine e-Mail des Inhalts "Ja, wir würden Sie liebend gerne als Hospitantin übernehmen, und nein, diesen blöden Bewerbungszirkus müssen Sie natürlich gar nicht erst absolvieren" eintrifft.

• Liebe: ... ist sicher toll, keine Ahnung, weiß ich nicht.

• Was heute toll war: Das Sonnenlicht am späten Nachmittag: so golden, so weich, so melancholisch.

• Worauf ich heute stolz bin: Erfolgreiche Absolvierung eines zweiwöchigen Intensivsprachkurses und drei weitere fertig getippte Seminararbeitseiten.

• No - Go des Tages: Zuviel am Computerbildschirm gesessen!

• Erkenntnis des Tages: Lascia la spina/ cogli la rosa...

Mittwoch, 17. August 2011

Sonntag, 14. August 2011

erade kann sich das Wetter nicht zwischen mächtig aufgeplustertem Sommergewitter und sanft-freundlichem Abendsonnenschein entscheiden, weswegen ich jetzt auch vorm Laptop in der Stube und nicht in Frodo-Manier draußen unter irgendeinem Baum sitze wie es sich gehört. Also kleiner Wochenendrückblick, stibitzt bei Amala, bis sich das Wetter entschieden hat.
Wetter (harhar): öhm, freundlicher bis hochsommerlich drückend werdend, gerade etwas verwirrt.
Gemacht: erfolgreich letzten Arbeitstag im Sklaven- äh, Einzelhandelstudentennebenjob absolviert. Ausgiebige Badezimmersessions mit vieeel Gedufte und Geöle - einfach mal wieder nett zu sich selbst sein.
Gehört: Die Giordani - Vertonung des Gedichts "Caro mio ben" im Vortrag von Cecilia Bartoli und Jean-Yves Thibaudet. Ja, nicht ganz das Richtige bei Liebeskummer, aber sooo tröstliche Musik.
Gelesen: Ein weniger gutes Buch: Garou von Leonie Swann (Glennkill war vieeeel besser!). Ein sehr gutes Buch: Schweigeminute von Siegfried Lenz. Ich gebe es zu, auf den letzten vier Seiten hab ich Rotz und Wasser geheult. Was schon lange nicht mehr bei einem Buch vorgekommen ist.
Getrunken: Mineralwasser, Kräutertee, Kaffee in absteigender Reihenfolge
Gegessen: Schafkäsebrot mit Tomaten. Unglaublich guten Zucchinikuchen meiner Oma. Gefüllte Paprika mit Tomatensoße. Die Tomaten (und die Zucchini) sind aus dem Schrebergarten meines Großvaters, an einem Ort, wo die Erde schwarz und das Gras smaragdgrün ist. Diese Tomaten sind riesig, ihre Haut duftet, wenn man sie in die Hand nimmt, und sie schmecken melonig süß.
Gedacht: "Noch 20 Stunden, dann muss ich hier nie wieder arbeiten...noch 12 Stunden, dann muss ich hier nie wieder arbeiten...noch vier Stunden, dann muss ich hier nie wieder arbeiten...oh Gott sei Dank, ich muss hier nie wieder arbeiten!"
Gelacht: mit meinem Zwillingsbruder, dieser zweiten Hälfte unserer ganzen Seele.
Geärgert: über schubsende und drängelnde Leute
Gelernt: Waschen mit unglaublich lecker bedufteter Naturseife macht viel mehr Spaß und viel tollere Haut als olles Duschgel.
Gekauft: noch mehr Seifchen von olivia-seife.de (ganz schrecklich, macht süchtig und arm!)
Spirituelles: Den Vollmond angestaunt. Ein paar Räuchermischungen aufgefüllt. Geflötet. Schön geträumt.
Und sonst so: plötzlich ganz verrückt nach dem Duft von Sandelholz. Bedeutet das irgendetwas?
Ausblick auf nächste Woche: Nach München fahren, Bücher aus der Unibibliothek abholen, nachsehen, ob in der Studentenbude alles in Ordnung ist, Dozentensprechstunde aufsuchen, Texte kopieren, endlich mit der blöden Seminararbeit anfangen. Mit Mama schwimmen fahren. Krempel auf eBay einstellen. Ganz für sich sein, anstrengende Mitmenschen wird man im Herbst wieder mehr als genug haben.

Montag, 8. August 2011

J. W. Waterhouse, Windflower
... und auf den Fluren lass die Winde los..." Der Satz ist Teil eines Herbstgedichts von Rilke. Nicht dass wir's beschwören wollen, aber heute war wirklich so ein Windstag, bei dessen Temperaturen und Böen man den Eindruck hatte, der Sommer würde jetzt endgültig über die abgeernteten Felder hinfortgeweht wie eine kleine weiße Feder. Ich hoffe ja immer noch, dass wir noch ein paar schön-warme Tage bekommen, damit man vielleicht auch mal die hiesigen Weiher erkunden gehen kann.
Das war Punkt eins auf der Ferienliste noch zu erledigender Dinge (ja, an Lammas gibt es immer so eine Liste). Der zweite Punkt betrifft das Abfassen einer adäquaten Hausarbeit und gestaltet sich etwas schwierig, weil das einmal beschlossene Thema nach Neubewertung der Fachliteratur leider etwas harsch umgekrempelt werden muss. Zum Glück kommt einem das Wetter da entgegen, das einen gerade ja eher zu kuscheliger Sofa- oder allenfalls Gartenlektüre denn hektischen Sommeraktivitäten einlädt.
Punkt drei betrifft die hohe Liebe, die ich noch Ende Juni ganz euphorisch hier besungen hatte, natürlich völlig blind für die geradezu konsequent durchgezogene Dramaturgie, dass das zitierte Gedicht über Amors Pfeil von Gottfried August Bürger eine recht perfide Dialektik enthält, deren Waagschalen sich zum Guten oder Schlechten senken können. Wie gemein, sie senkten sich zum Schlechten. Auch das ist eine Qualität des Schnitterfestes, sich schmerzhaft aber sauber von quälenden Dingen lösen zu können, aber die Enttäuschung, blindlings auf die nicht ernst gemeinten und unverbindlich gedachten Vereinnahmungen durch einen anderen hereingefallen zu sein, ist natürlich nichts, was man von einem Tag auf den anderen ablegt. Ich habe am ersten August eine Getreideähre gepflückt; jeden Abend gehe ich zur Donau und werfe ein Korn ins Wasser. Wenn die Ähre kahl ist, soll ich wieder leichthin fröhlich und befreit von traurigen Gedanken sein, so habe ich es beschlossen. Wie schön, dass wir Rituale abhalten dürfen, äußere Zeichen für unsere haltlose innere Welt, die es uns erlauben, wirklich etwas zu tun, um abstrakte Vorgänge zu begreifen und abzuarbeiten. Das ist wunderbar. He, andere Leute müssen dafür einen Therapeuten bezahlen. ;-)

Ich hoffe ihr hattet ein schönes Lammasfest. Meines war ernst, aber richtig und entwicklungsfördernd. Gut so.


Donnerstag, 30. Juni 2011


Ach, die Liebe... Smilie by GreenSmilies.com

Freitag, 3. Juni 2011

nglaublich, wie die Zeit rast. So viel ist den Mai über passiert, und jetzt haben wir schon Juni, der Sommer ist faktisch da, nur ich fühle mich ein bisschen schizophren und wie im Dauerschwebezustand, nicht weil alles so herrlich ist, dass man den Bodenkontakt verliert, sondern weil die aktuellen Lebensumstände allgemein einen derart transformatorischen Charakter haben, dass man jeden Tag mit weiteren Umwälzungen rechnet. Ich nehme an, das ist völlig normal, wenn man so halbe von zu Hause ausgezogen ist (ja, früh sind wir dran). Mittlerweile ist das Münchner Zimmer den ersten Monat bewohnt und man findet langsam in den Rhythmus einer Großstadt hinein, soll heißen, nicht mehr aufschrecken, wenn die Tram vorbeidonnert, jeden Tag auf dem Fahrradweg zur Uni dem Tod ins Auge sehen und sich allgemein mit der nervenaufreibenden Tatsache abfinden, dass alles jederzeit voller Menschen und Autos ist, völlig wurscht ob 12 Uhr mittags oder 2 Uhr früh, und man als erwiesenermaßen geistesgestört gilt, wenn man mal fragt, wo es hier ein ruhiges Plätzchen geben könnte. Die Leute kommen vermutlich nach München, weil sie an ruhigen Plätzchen ihre eigenen Gedanken zu laut hören. Das ist der Preis, den man zahlen muss für eine der größten Bibliotheken Europas, für mit die besten Theater in Deutschland, für Ausstellungen und Kulturereignisse ohnegleichen. Man kann allerdings auch von geistiger Erbauung besoffen werden.
Deswegen bin ich froh, dass mein Flüggewerden nur ein halbes ist, und ich theoretisch jederzeit, realiter jedes Wochenende, in das "neue" Zuhause fahren darf, das gerade deswegen noch ein bisschen schwer als eigentliches zu Hause erkennbar ist. Man muss es ganz ehrlich sagen, dieses 6000-Seelen-Kaff ist eine frecklige CSU-Hochburg voll ignoranter, misstrauischer, erzkonservativer Kleinbürgerseelen, die allesamt einem Spitzweg-Gemälde entsprungen zu sein scheinen. Das Kontrastprogramm zu München ist damit auch nur ein scheinbares, weswegen mir der allwöchentliche Bruch nicht allzu schwer fällt und ich umso mehr Zeit habe, die Landschaft zu genießen, die allerdings traumhaft ist, noch mehr ursprüngliches Wald- und Wiesenland als in Ingolstadt, eine echte Stille, die mittags über den Äckern hängt und nur manchmal durchbrochen wird, wenn irgendwo im Dunst ein Bussard schreit. Wenn man am Bahnhof, soll heißen, einem einsamen Gebäude aus den 30ern an einem noch einsameren Gleis zwischen einem Holunderdickicht und einer verlassenen Koppel, aussteigt, muss man erst mal knapp fünf Kilometer einem Feldweg entlang eines rasch dahinströmenden Flüsschens (die Kleine Donau) folgen, ehe man in das eigentliche Städtchen gelangt, das auch so aussieht, als hätte man die Asphaltstraße erst letzten Montag erfunden und wäre bis dahin noch mit Pferdewagen zur Kirche gefahren. Also, wie gesagt, wenn man mit den Leuten nicht allzuviel reden muss, ist es absolut herrlich. Auch das Haus öffnet sich uns langsam, erst hat es sich gesträubt wie ein Hofhund, dessen letzter Herr vor Jahren gestorben ist, aber Zug um Zug gewinnen wir Wohnraum dazu und entdecken Ecken, die vorher ganz unscheinbar aussahen und sich jetzt als Rückzugsorte mit großer poetischer Kraft entpuppen. Am liebsten gehe ich aber abends die drei Minuten durch das mittelalterliche Stadttor auf die Brücke über die (richtige) Donau und sehe zu, wie sie ruhig von West nach Ost fließt. Und nach dieser Meditation sind auch der ganze Lärm und Verkehr, die Menschenmassen, die allgemeine Enge und das ständige Gefühl des Beäugt-Werdens vergessen und abgefallen. Denn so etwas Kleinliches, Menschliches hat einfach nicht Bestand vor diesem urgewaltigen Fluß, der sich mit der gezähmten, hübsch hergerichteten Isar nicht vergleichen lässt. Insofern bleibe ich zwar weiterhin ein bisschen schizophren - aber das ist gar nicht mal so schlecht.


Mittwoch, 27. April 2011


as ist mein Umzugskarton für das Studienzimmer in München. Also zumindest die Bücherkiste. Ja, ein Koffer mit Kleidung gehört auch noch dazu; auch wenn es durchaus passend wäre, aber ich gedenke mich dort nicht nur in Reclam-Heftchen zu hüllen, um zur Vorlesung zu gehen. ^^ Und die Bratsche werde ich auch mitnehmen, vielleicht findet sich ein Orchester mit Bedarf und nicht gar so hohen Anforderungen, und ich kann endlich wieder im Ensemble musizieren.
Tja, mitterweile leben wir alle zwischen lauter Umzugskartons und unvollständigen Möbelgruppen, was, weil sich der eigentliche Umzug von A nach B (und C in meinem Fall) wegen der Baustelle noch verzögert, eine dauerhafte Atmosphäre der Auflösung und Schwebe etabliert hat, ein Zustand, der uns "Kinder" nicht so sehr bekümmert, aber meinen Eltern spürbar an den Nerven zehrt. Wer zieht schon gerne um? Mit Haus und Firma? Dieses Haus ist zum Schluss wie ein Magen-Darm-Kranker gewesen, dem man ein starkes Brechmittel verabreicht hat, so dass es seit Monaten am, entschuldigung, Dauerkotzen ist, Schutt, Staub, Metall, Holzverkleidungen, Drähte, Leitungen, Rigipstrümmer, Papier, zerschlissene Möbel, alte Türen, und immer wieder zusammengeschrumpelte Tiermumien vom Dachboden, Mäuse, Ratten, Fledermäuse, besagte Katze, Tauben und eine Schleiereule. Der Reinigungseffekt ist famos, man spürt regelrecht, wie es sich bei jeder Fuhre Müll, die wir abstransportieren, ein Stückchen mehr aufrichtet und freier atmet. Aber bis daraus mal ein Heim wird und die Baustelle ganz verschwunden ist, bis quasi mit uns die Hausgeister angekommen sind und man von "Zuhause" sprechen kann: bis dahin wird es wohl noch ein Weilchen dauern.



Aber wenn ich's mir so ansehe, dieses große Haus in einem Städtchen, wie es von Hayao Miyazaki nicht putziger hätte entworfen werden können (wartet nur, bis ich hier Fotos von den bayerischen Freskenmalereien an manchen Bürgerhäusern am Marktplatz poste), dann denke ich, dass dies ein Ort sein wird, an den man gerne zurückkehrt. :-)
So, ich hoffe ihr hattet ebenso schöne, sonnige und erholsame Ostertage wie ich. Der nächste Blogeintrag wird wahrscheinlich ein Weilchen auf sich warten lassen, weil demnächst hier der Telefonanschluss abgestellt wird. Bis denne mal!

Donnerstag, 7. April 2011

löte spielen kann in eine Sammlerleidenschaft führen: Mittlerweile ist bei mir die zweite Flöte aus den Händen von David Angus aus Nordirland eingetroffen, dieses Mal, weil ich nicht so viel Geld ausgeben wollte für ein Instrument, das mir möglicherweise zu groß ist, eine recht günstige in D gestimmte Querflöte aus Aluminium, stolze 60 cm lang und mit dem Charme eines - nun ja, ziemlich dicken Alu-Rohres halt. Das gute Stück lässt sich mit meinen kleinen Pfötchen gerade noch so spielen, aber dafür klingt sie trotz der Umgewöhnung auf größere Grifflochabstände und ein ziemlich großes Blasloch schon wunderwunderschön. Sehr irisch und tief, das tiefe D bringt, wenn man es erwischt, den gesamten Brustkorb zum Vibrieren und klingt voll und kräftig wie eine Kirchenglocke. Wie gesagt, wenn. Aktuell ist alles noch recht heiser.
An dieser Stelle muss ich unbedingt etwas weiter ausholen und eine Biographie ans Tageslicht zerren, die trotz ihrer innigen Verbindung mit irischer Volksmusik kaum Erwähnung findet: Die von Turlough O'Carolan nämlich, dem begnadeten blinden Harfenspieler aus dem 17. Jahrhundert, der den rauen Klang irischer Volksstücke mit der Eleganz höfischer Barockmusik sehr gekonnt vereinte und auf den viele noch heute bekannte Stücke zurückgehen.
1670 im County Meath geboren, erkrankt O'Carolan im Alter von 18 Jahren an Pocken und erblindet. Seine Eltern sind einfache Bauern, die von der Familie MacDermot Roe of Alderford House gepachtetes Land bearbeiten. Die Hausherrin, die den Jungen schon zuvor unterrichtet hat, ermöglicht ihm aus Mitleid und damit er auch später ein halbwegs vernünftiges Auskommen hat, eine Ausbildung zum Harfenspieler. Zu dieser Zeit sind Harfenspieler in Irland wandernde Rhapsoden, die zwischen Dorffesten und Herrenhäusern umherziehen und die Bewohner mit Musik und Geschichten unterhalten. Weil O'Carolan schon zu alt und zudem blind ist, beherrscht er das Instrument zeit seines Lebens nicht wirklich, und verlegt sich deswegen auf's Komponieren, worin er dafür um so größeres Talent zeigt. Im Alter von 21 Jahren bekommt er von Mrs. MacDermot Roe ein Pferd und einen Führer und wird in die Welt hinausgeschickt, sein Glück zu machen.
In den folgenden 50 Jahren durchreist O'Carolan Irland von Ost nach West und Süd nach Nord, komponiert Lieder und spielt seine Harfe auf Jahrmärkten, in den Hallen vornehmer Landschlösser, in Bauernhäusern und Kirchen. Schon bald ist sein Ruhm so groß, dass man Begräbnisse und Hochzeiten so lange verschiebt, bis der Harfenspieler eintrifft, um das Ereignis musikalisch zu begleiten. Die ihm entgegengebrachte Gastfreundschaft insbesondere der reicheren Oberschicht dankt O'Carolan mit "Planxties", ein Wort, das er selbst erfunden hat. Ein Planxty ist eine kleine musikalische Zueignung, die einer bestimmten Person gewidmet ist und ihren Namen trägt. Von den über 200 Liedern, die man ihm zuschreibt, sind mehr als dreiviertel solche Planxties, die damit auch die Namen ihrer Eigentümer und womöglich ihren Charakter, ihre Lieblingsmelodie, ihre Eigenarten musikalisch bis heute überliefert haben.
Reich wird O'Carolan mit seiner Musik zwar nicht, aber 1720 reicht es für ein kleine Cottage mit etwas Land und eine Heirat mit Mary Maguire. O'Carolan ist zu diesem Zeitpunkt 50 Jahre alt, das Alter seiner Braut ist unbekannt. Leicht wird die Ehe nicht gewesen sein, zumal O'Carolan weiter umherreist, trinkt und spielt. Mary schenkt ihm sieben Kinder, sechs Töchter und einen Sohn, und stirbt 13 Jahre später. O'Carolan schreibt eine (unvertonte) Elegie für sie, 1738 fühlt er sich selber krank und kehrt nach Alderford House zurück. Das letzte Planxty, das er komponiert, ist dem Kammerdiener gewidmet, der ihm seinen letzten Drink bringt. O'Carolan stirbt am 25. März 1738 und wird in der Familiengruft der MacDermot Roes beigesetzt.
O'Carolan hat nur wenige seiner Kompositionen niedergeschrieben. Erst 1958 wird das gesamte Werkkompendium in einem Band gedruckt. Dass O'Carolans Musik bis dahin nicht in Vergessenheit geriet, verdankt man der besonderen Achtsamkeit für die mündliche Weitergabe auf der Insel, in der ein Musikstück durch Zuhören gelernt und so durch die Jahrhunderte unter Fiddleplayern, Harfenspielern und Flötisten die Runde macht. Dazu gehört auch die folgende sicher bekannte Melodie, das Planxty "Eleanor Plunkett". Wie immer mit Augenschmausfotos von irishviews.com, diesmal aus dem County Down, wo auch mein Aluknüppel herkommt. :-)

Sonntag, 3. April 2011

o überstürzen sich die kleinen, privaten Ereignisse: mit einem Mal ist der Frühling, man möchte sagen, mit voller Wucht eingetroffen, nach fünf Semestern absolut erfolgloser Sucherei ließ sich plötzlich innerhalb von einer Woche eine komplette Studentenbude zum unglaublich günstigen Preis organisieren, in der Arbeit läuft alles gelinde gesagt prima, aus den unwahrscheinlichsten Ecken kommt genau dann, wenn ich es brauche, ein kleiner Geldbonus, und alles in allem zeigt sich das Leben von seiner rosigsten Seite. Meine Güte, heute ist sogar der 119. Jahrestag der Eisbechererfindung, das macht schon fast misstrauisch. Irgendwie hab ich Angst, für dieses Seidenbettdasein in nächster Zeit die bittere Zeche zahlen zu müssen, auch wenn das Leben nicht immer (aber immer öfter) wie ein attisches Drama funktioniert. Bei all den Schreckensmeldungen der Tagesschau wie in Japan, Libyen der Elfenbeinküste scheint uns simples, einfaches, funktionierendes Wohlsein schlicht zu überfordern oder gar zu beschämen, gerade so als hätten wir's nicht verdient.
Bei solchen Gelegenheiten, wenn alles zu gut oder vor allem zu schlecht ausschaut, muss ich mein ganz persönliches Mantra hervorkramen, ein Satz, der irgendwie mäßigend, beruhigend, nivellierend wirkt und Gefühle wie Angst, Misstrauen und Wut sofort in milde Gelassenheit verwandelt.

"We are such stuff as dreams are made on,
and our little life is rounded with a sleep."

Na, wer hat's erfunden? ;-) Eine echte Zauberformel, dreimal aufgesagt und schon ist alles gut. Und jetzt hol ich mir noch einen Becher Vanilleeis.